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Zeitreise in die grausame Geschichte der NS-Diktatur

„Der Dreiklang: Arbeitslager, Juden, 1941 weckt meine schlimmsten Assoziationen…“sagt Eva Umlauf, geborene Hecht. Die Ankündigung der Zeitzeugin Eva Umlauf, die über ihre Erlebnisse während und nach der NS-Diktatur sowie über das Leben in Novàky und Auschwitz-Birkenau berichten wollte, löste bei den Klassenstufen 11 und 12 ein großes Interesse aus, sodass sich knapp 120 Schüler am Mittwoch, den 30. Januar  in der Aula versammelten.

„Es lohnt sich, immer zu kämpfen.“ beginnt sie im Bezug auf den Titel ihres Buches, „Die Nummer auf deinem Unterarm ist so blau wie die deine Augen: Erinnerungen“ ihre Erzählung. Der Titel stamme aus einem Gedicht, das einst ein guter Freund für sie schrieb. Zu Tränen rührend trug sie, mittels Vorlesungen ihres Werkes, ihre Lebensgeschichte in Novàky und Auschwitz-Birkenau so detailreich an uns Schüler heran, dass wir uns wie in das Geschehene hineinversetzt fühlten. Ihr Buch, das von Miriam Pressler ins Deutsche übersetzt wurde, entspricht einer Biografie und ist gleichzeitig eine der traurigsten Erzählungen über wahre Ereignisse während der NS-Diktatur.

Ihr Buch beginnt, wie auch ihr Leben, mit der Erzählung ihrer Mutter Agnes Eisler und deren Freundin über die Geburt Eva Hechts. Am 19.12.1942 erblickt der Säugling, als erster von fünf Kindern in einem von drei slowakischen Zwangsarbeitslagern für Juden das Licht der Welt, in der „es so kalt war, dass das Wasser (in dem sie gebadet werden sollte) binnen kürzester Zeit von einer Eisschicht überzogen war.“ Sie beschreibt die Freude, Hoffnung, Solidarität und Hilfsbereitschaft aller Gefangenen, die durch ihre Geburt hervorgerufen wurde und dafür sorgte, dass das Wort Gefängnis für Eva mehr Assoziationen hervorrief, als nur Vernichtung und Todesdrohungen.

Als das Arbeitslager Novàky durch die deutsche Besetzung der Tschechoslowakei im August 1944 aufgelöst wird, fliehen einige Häftlinge in die angrenzenden Berge, ein anderer Teil verschafft sich falsche, arische Papiere. So auch Eva Hechts Familie, deren Eltern jedoch verraten wurden. Eva wurde zusammen mit ihrer im 4. Monat schwangeren Mutter Agnes und ihrem Vater Imrich Hecht am 3. November 1944 mit dem letzten Zug in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau transportiert. Dieser wurde auch als der „Glückliche“ bezeichnet, da er der ersten Transport war, dessen Menschen nicht sofort vergast wurden. Nach ihrer Ankunft in Auschwitz musste Eva, auf dem Arm ihrer Mutter die übliche Untersuchungen sowie die Tätowierung ertragen, bei der das Kind ohnmächtig wurde. „Als ich wieder regelmäßig atmete und die normale Gesichtsfarbe zurückgekehrt war, brannte auf meinem Arm die Nummer A26959.“

Ihren Vater sah sie bei der Ankunft im Lager zum letzten Mal. Als das Konzentrationslager am 27. Januar 1945 befreit wird, ist er bereits auf dem Todesmarsch in westlichere Konzentrationslager, bei dem er laut Angaben der Nazis umgekommen sei. Eva selbst war so krank, dass sie und ihre Mutter nicht mitziehen konnten.

Evas Schwester wurde Ende April 1945 in einer russischen Krankenstation geboren. Mitte Juni 1945, als ihre kleine Schwester 6 Wochen alt ist, machen sich Evas Mutter, ihre Schwester, ein Waisenjunge „Tommy“ und sie selbst auf den Weg in ihren Heimatort der Familie in der Slowakei. Dort mussten sie feststellen, dass Agnes Familie komplett ausgelöscht wurde. Sie selbst konnte in der kleinen Stadt aufwachsen und die Schule besuchen. Anfang 1967 kommt Eva Umlauf durch eine Heirat nach München. Ihre Familie folgte ein Jahr später.

Die Nummer auf ihrem Arm sei so blau wie ihre Augen, schrieb ihr Freund in seinem Gedicht. „Waren Nummer und Augen früher blauer? Heute jedenfalls ist die Farbe der Tätowierung blassblau, meine Iris eher grünlich. Wenn man flüchtig hinschaut, so ist die Nummer kaum erkennbar.“ erklärt sie. Die Nummer insbesondere die Ziffernfolge sei ein Ausdruck für die Zusammengehörigkeit mit ihren Schicksalsgenossen und ihren Eltern, die Aufgabe ein Zeugnis abzulegen. Sie ist zugleich ein Mahnmal und Totenehrung sowie Lebensbejahung.

Nach ihrer emotionalen Lebensgeschichte, hatten wir Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei verdeutlichte sie ihre Angst vor dem vorherrschendem Antisemitismus und Rassismus in ganz Europa.

Unsere Aufgabe sei es, durch Denken und Hinterfragen die politische Bewegung ganz Europas in eine nationalsozialistische Richtung mit wachsendem, offenen Antisemitismus sowie die bevorstehende Wiederholung  der Ereignisse zu verhindern. Wir tragen keine Schuld für die Vergangenheit, aber sind für die Zukunft verantwortlich, um die wir kämpfen sollten, um solche Taten nicht zuzulassen.

Wir bedanken uns bei Eva Umlauf und unserer Geschichtslehrerin für die Möglichkeit, die Geschichte des Holocausts so persönlich erleben zu dürfen.